Fremde unter Fremden

Else Lakser-Schüler

Eine Jüdin in Deutschland

03.04. 2015 - 30.08.2015

 

 

Else Lasker-Schüler (eigentlich Elisabeth Lasker-Schüler; geboren am 11. Februar 1869 in Elberfeld; gestorben am 22. Januar 1945 in Jerusalem) war eine der wichtigsten deutsch-jüdischen Dichterinnen. Sie gilt heute allgemein als herausragende Vertreterin der avantgardistischen Moderne und des Expressionismus in der Literatur. Sie trat aber auch als Zeichnerin hervor.

 

Heute, 70 Jahre nach ihrem Tod, ist Else Lasker-Schüler, die Gottfried Benn einst für die größte Lyrikerin Deutschlands erklärte, vielen noch ein unbekanntes Wesen. Die Deutsch-Jüdin, die mit ihrer expressionistischen Lyrik nicht nur Zeitgenossen verstörte, verschließt sich in ihrem kompromisslosen Lebensentwurf immer noch der schnellen Erkundung.

 

Mit der Ausstellung Fremde unter Fremden – Else Lasker-Schüler – Eine Jüdin in Deutschland rückt die Ernst Barlach Gesellschaft die Dichterin und Weltenschöpferin Else Lasker-Schüler durch Fotos, Texte, Dokumentationen und zahlreiche ihrer Zeichnungen in den Fokus.

 

Die Ausstellung geht der künstlerisch-literarischen Entwicklung von Else Lasker-Schüler nach. Sie zeigt die Außenseiterposition des Kindes Else Schüler, das nach einer Krankheit zu Hause unterrichtet wird und aus dieser Außenseiterrolle ein Lebensmodell entwickelt. Sie nähert sich einer Sprachalchimistin und jüdisch-orientalisch inspirierten Zeichnerin, deren Werk eng mit ihren emotionalen Zuständen verwoben ist.

Obwohl ihre Lyrik nicht immer leicht zu lesen ist, bereichernd ist sie allemal. Der Ausstellung gelingt es, Lasker-Schülers Gedichte, ihre Briefe und Beschreibungen, ihre zeichnerischen Arbeiten sowie die Zeitzeugenberichte so miteinander zu verbinden, dass die eigenwillige Dichterin und Zeichnerin Gestalt annimmt, als Jüdin, als Mutter, als Liebende, als Dichterin und Frau.

 

Else Lasker-Schüler war politisch interessiert. Als Individualistin gehörte sie keiner Partei oder Organisation an, setzte sich aber immer wieder für Leidtragende ein. Sie feierte in ihren Liebesgedichten eine autonome weibliche Erotik. Das war neu und subversiv, galten doch Frauen nach viktorianischen Vorstellungen als asexuell und hatten sich passiv vom männlichen Begehren leiten zu lassen.

Else Lasker-Schüler, die sich oft verliebte, machte die Männer, die teils irritiert oder erschrocken reagierten, zu Objekten ihrer dichterischen Inspiration, sie machte sie gleichsam zu Musen und kehrte damit das herkömmliche Geschlechtermodell um. 1909 schnitt sie ihre langen dunklen Haare zum Pagenkopf. Sie nannte sich nun nach dem biblischen Josef „Jussuf, Prinz von Theben“, einer männlichen Gestalt, die sie zugleich schützen und erhöhen sollte.

 

Als Else Lasker-Schüler entwurzelt im Jerusalemer Exil starb, wohin sie vor den Nazis emigriert war, waren ihre Gedichte, Dramen und Prosatexte in Deutschland aus dem öffentlichen Bewusstsein verbannt. Sie blieben es auch in der jungen Bundesrepublik noch eine lange Zeit. Ihr Verehrer und Geliebter Gottfried Benn schrieb nach ihrem Tod: "Das war die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte. Ihre Themen waren vielfach jüdisch, ihre Fantasie orientalisch, aber ihre Sprache war Deutsch, ein üppiges, prunkvolles, zartes Deutsch; eine Sprache, reif und süß, in jeder Wendung dem Kern des Schöpferischen entsprossen. Immer unbeirrbar sie selbst, fanatisch sich selbst verschworen. Feindlich allem Satten, Sicheren, Netten, vermochte sie in dieser Sprache ihre leidenschaftlichen Gefühle auszudrücken, ohne das Geheimnisvolle zu entschleiern, das ihr Wesen war."

 

„Fremde unter Fremden – Else Lasker-Schüler – eine Jüdin in Deutschland“  ist eine Ausstellung der Ernst Barlach Museumsgesellschaft in Kooperation mit dem Förderverein des Ernst Barlach Museums Ratzeburg.

 

 

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